Heute in der Zentralschweiz am Sonntag - der Kommentar von Stefan Ragaz:
"Wer lange genug Politik beobachtet, gewöhnt sich an die Ränkespiele und Taktiererei - nicht allerdings an Falschheit und Opportunismus. Besonders dann, wenn eine Allianz als "unheilig" bezeichnet wird, stellt sich die Frage: Wer hat hier Ideale oder sogar den Wähler verraten?
Beispiel 1: Weil sie befürchtet, vor dem Volk zu unterliegen, spricht sich die CVP Luzern plötzlich gegen den "Fusionstopf" (für die Finanzierung von Gemeindefusionen) aus und schlägt sich damit auf die Seite der SVP. Das ist nicht scheinheilig, sondern Opportunismus."
Soweit das Zitat.
Wir sind uns ja einiges gewohnt von der NLZ: Gestern recherchieren (das heisst: von Null auf Hundert in einem Crash-Kurs per Telefon Wissenstransfer von der Politik zum Journalismus). Heute schreiben (allzu oft bis zur Unverständlichkeit verkürzt; als Entschuldigung wird die Medientauglichkeit angeführt). Und morgen als Experte kommentieren (genauer gesagt: exekutieren).
Der Kommentar, den der stellvertretende Chefredaktor in der Zentralschweiz am Sonntag ("Meine Woche", Seite 2) macht, schlägt nun aber alles.
Wo nimmt er her, dass die CVP eine Abstimmung über Fusionen fürchtet? Woraus leitet er ab, dass wir gemeinsame Sache mit der Konkurrenz machen? Das Gegenteil trifft zu: Die CVP fordert (wie übrigens auch andere Parteien) schon lange ein Fusionsgesetz. Wir wissen auch sehr wohl, dass dieses in einer Volksabstimmung bestehen muss – gegen den erwarteten Angriff der SVP. Uns Opportunismus zu unterstellen zeugt eher davon, dass Herr Ragaz die Vernehmlassung der CVP nicht gelesen hat. Und offenbar auch unseren Blogbeitrag vom 22. April nach der verzerrenden Berichterstattung in der NLZ nicht. Vielleicht gar nicht lesen wollte. Wir vermuten, er wollte einfach seine These untermauern, wonach die Parteien und die Politik überhaupt unheilig, durchtrieben, opportunistisch, falsch und unglaubwürdig sind. Von seiner Verantwortung, von seinem Beitrag als Journalist und stellvertretender Chefredaktor zu einer fairen Politik schreibt er (wohlweislich?) nichts.
Wir erwarten, dass sich die NLZ bei den verunglimpften Parteien entschuldigt. Genau so wie es ein anderer Journalist in der gleichen Ausgabe für Taten verlangt, die vor –zig Jahren begangen wurden. Hier geht es um mindestens so viel – um Menschen, die sich heute für ihre Überzeugungen einsetzen (die sich notabene nicht mit meinen Überzeugungen decken müssen). Menschen, die sicher ihre Fehler haben, aber nicht so grundschlecht sind, wie im Kommentar leichtfertig unterstellt. Bürgerinnen und Bürger, die sich zweimal überlegen, sich zu exponieren, wenn sie derart „abgeschossen“ werden. Nebst der Entschuldigung hoffen wir in Zukunft auf mehr Fairness in den Kommentaren. Wir wollen nämlich unsere Hoffnung auf guten und gut recherchierten Journalismus (noch) nicht aufgeben.
Pius Zängerle, Vizepräsident CVP Luzern, Adligenswil
Martin Schwegler, Präsident CVP Luzern, Menznau
Montag, 03-05-10 10:11