Gestern erfuhren wir, dass eine Person, welche vor zwei Jahren offenbar noch im Kanton Zug für die SVP politisierte, im Kanton Luzern eine BDP gründen will. Das Wahlziel für die Kantonsratswahlen wurde auch genannt, nämlich Fraktionsstärke. Logisch ist die Folgefrage, ob die BDP den anderen Parteien gefährlich werden kann.
Wären die Kantonsratswahlen 2011 bereits 2009 gewesen, dann hätte die BDP wohl einige Stimmen holen können, die sie aber inzwischen schon wieder nicht mehr erreicht. Dies wegen ihrer Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Denn damals war Frau Widmer auf dem Höhepunkt der Popularität - Stichtwort: Schweizerin des Jahres. Ähnlich, wie es einen Leuthard-Effekt gab, hätte es auch einen Widmer-Schlumpf-Effekt geben können. Frau Widmer hat als Bundesrätin nun wohl aber bereits einiges an ihrer Beliebtheit eingebüsst. Nicht unbedingt, weil sie Fehler gemacht hat, sondern weil sie in den Medien irgendwie nicht mehr so strahlend rüber kommt. Es dringen zunehmend Informationen über ihren Arbeits- und Führungsstil nach aussen, und diese führen zu Skepsis ihr gegenüber.
Auch wenn der Widmer-Schlumpf-Effekt stattfinden würde, dürfte dieser sich im Kanton Luzern nicht so sehr auswirken. Die BDP spricht vorallem ehemalige SVP-ler an und allenfalls unzufriedene CVP-ler und FDP-ler. Da die SVP im Kanton Luzern immer stramm auf Zürcher Linie politisiert hat und keine andere Tradition hat, sind die Kreise, die sich für die SVP entschieden haben, wohl kaum sehr unzufrieden und suchen keine neue politische Heimat.
Sicher gibt es auch heute noch unzufriedene CVP-ler, aber die Zahl derer dürfte kleiner als auch schon sein. Der Hauptharst der Unzufriedenen hat sich schon vor einiger Zeit verabschiedet. Der Entfremdungsprozess von einer Partei hat nämlich häufig mehrere Phasen. In der ersten Phase bleiben ehemals treue Parteigänger bei Wahlen zu Hause, in der zweiten Phase dann entscheiden sie sich für eine neue Partei. Da die CVP 2007 ihre Wählerzahl von 32'000 auf 37'000 steigern konnte, ist die Behauptung, dass der Entfremdungsprozess schon länger abgeschlossen ist, wohl nicht so falsch. Denn sonst wäre es kaum gelungen, mehr Wähler als zuvor wieder an die Urne zu bringen.
Meine Einschätzung ist, dass jetzt noch unzufriedene CVP-Wähler eher die Alternative Grün-Liberal wählen werden oder dann sogar Grüne oder SP. Dies deshalb, weil die CVP - vorallem die nationale Partei - in vielen Fragen nicht als konsequent wahrgenommen wird. Sie erweckt manchmal den Eindruck, halt doch in der Nähe der Banken zu sein, die uns die Krise beschert haben. Sie erweckt den Eindruck, trotz Lippenbekenntnissen es nicht wirklich ernst zu meinen mit umweltpolitischen Anliegen und manchmal unterstellt man ihr, in Ausländerfragen plötzlich die SVP rechts überholen zu wollen. Auch wenn Eindruck und Realität nicht immer übereinstimmen, für die Wähler entscheidend ist der Eindruck.
Fazit dieser Überlegungen: Es gibt wenig Potential für die BDP-ler. Sie müssen sie in zugewanderten Bernern suchen, welche aus dem dortigen SVP-Milieu stammen und mit dem Zürcher-Kurs nichts anfangen können. Die Kunst wird sein, diese zufinden, zumal es derart vieler nicht sein können.
Montag, 15-03-10 11:12
Sonntag, 14-03-10 17:32