Für eine würdige Zukunft der Schlachtjahrzeit
Bei der Diskussion um die Sempacher Schlachtfeier bekommt man den Eindruck, dass es um die Frage „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer sind die besten Patrioten im ganzen Land“ geht. Obwohl die Antwort der Regierung in der Sache nichts zu wünschen übrig lässt und die CVP damit einverstanden ist, müssen wir uns wieder mit dieser Sache befassen.
An der Sempacher Schlachtjahrzeit soll der Geschichte unseres Kantons gedacht werden. Das gehört selbstverständlich dazu. Vom parlamentarischen Vorstoss von Marcel Omlin unterscheidet sich unsere Haltung in einem wesentlichen Punkt: Will er in erster Linie dem „Gestern“ den Platz sichern, so bin ich überzeugt, dass dem „Morgen“, der Zukunft, beim einzigen staatlichen Gedenkanlass unseres Kantons ebenfalls angemessen Platz einzuräumen ist.
Diese Haltung kommt im neuen Schlachtjahrzeit-Konzept der Regierung zum Ausdruck. Es geht darum „Begegnungen mit der Geschichte“ zu ermöglichen, wie es in der Medienmitteilung heisst. Dazu sollen beispielsweise „Foren zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft“ oder ein mittelalterliches Marktfest durchgeführt werden. Auch die CVP findet es schade, dass der Marsch auf das Schlachtfeld voraussichtlich nicht mehr stattfinden kann. Unter den gegenwärtigen Umständen ist dies aber in Kauf zu nehmen. Die CVP begrüsst das modifizierte Konzept der Sempacher Feier. Zumal die wichtigsten bisherigen Bestandteile des traditionsreichen Anlasses weitergeführt werden: Gedenkgottesdienst, Imbiss mit Käseschnitte, Städtlifest, Hellebardenlauf.
Die „alte“ Schlachtjahrzeit ist tot. Sie wurde von den Rechten und Linken kaputt gemacht. Das bedaurt die CVP-Fraktion sehr, aber es ist leider so. SVP-Mann Omlin will das nicht wahrhaben. Wenn wir nichts ändern, werden Rechts- und Linksextreme aufeinander losgehen – mit dem Resultat, dass die Polizeikosten die Kosten für das Fest um ein Vielfaches übersteigen? Wollen wir das? Wir wollen es nicht.
Oberstes Ziel für mich ist, dass wir die Sempacher Schlachtjahrzeit würdig in die Zukunft führen können. Wer den neuen Weg als „Kniefall“ verunglimpft nimmt die Realitäten nicht zur Kenntnis. Wir können uns damit einverstanden erklären, wenn man die Möglichkeit des Marsches nochmals prüft. Das Ergebnis kann aber nicht sein, dass wir wieder eine solche Übung wie dieses Jahr durchziehen: ein riesiges Polizeiaufgebot, um die linken und rechten Chaoten voneinander fern zu halten und das uns rund 300‘000 Franken kostet.
Gedenktage gehören zur Schweiz und zu unserer Tradition. Es sind auch Tage der Begegnung, des friedlichen Gesprächs und des Meinungsaustausches. Diese Tage lassen wir uns nicht nehmen, weil sie wertvoll sind und zu unserem (politischen) Kulturgut gehören.
Die „neue“ Schlachtjahrzeit in Sempach muss ein Tag des Gedenkens und des Denkens, ein Tag des Feiern und Festens sein bzw. bleiben. Sie soll die positiven Elemente der Vergangenheit mitnehmen (Totengedenken, Brauchtum, Rede, Schulklassen, Käseschnitte). Sie kann eine Plattform für Neues und Innovatives werden, ein Forum für zeitgerechten Patriotismus.
Die Schlacht von 1386 war eine Art Startsignal für den Territorialstaat Luzern (vorher gehörten wir fast alle zu Österreich). Heute kann Sempach für den Kanton Luzern wieder zum Ausgangspunkt für eine gemeinsame Zukunft werden: Einmal im Jahr sollten wir uns Gedanken machen, wie wir die ‚Idee Luzern‘ im 21. Jahrhundert positionieren. Selbstverständlich ist die ‚Idee Luzern‘ kontrovers zu diskutieren – und danach feiern wir! Von der kleinen Stadt am See können Impulse ausgehen für den sich permanent erneuernden Staat – einen Staat, wo niemand für seine Ideen schweigen oder schreien muss, sondern wo wir miteinander über eine gemeinsame ‚Idee Luzern‘ reden.
