Die "C"-Diskussion in der CVP
Die CVP Schweiz diskutiert unter der Führung einer von Lucrezia Meier-Schatz geleiteten Arbeitsgruppe das "C", ich bin einer der vier Arbeitsgruppenmitglieder. Am vergangenen Samstag habe ich die Ergebnisse einer Online-Umfrage präsentiert, an der fast 2000 Personen teilnahmen. Der Online-Umfrage lag ein Kurzfassung eines Papiers von einer A4-Seite zu grunde, welches "getestet" wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Kurzfassung eine taugliche Grundlage für die weitere Diskussion ist. Nun wird während des Sommers ein längeres Papier bei den Ortsparteien und Interessierten in Vernehmlassung gegeben. Leider werden die ersten Zwischenresultate bereits von den Medien als definitif rezipiert.
Die Ergebnisse der laufenden "C"-Diskussion werden vorweggenommen
Wenn wir das heutige Interview mit Urs Altermatt in der NLZ lesen, dann erkennen wir, wie wichtig es für die CVP ist, den politischen Gehalt des C für uns selbst zu definieren. Schon der Titel "CVP hat ein Allerweltslabel" bestätigt dies. Urs Altermatt lässt sich dahingehend zitieren, dass die CVP sich von der Religion löse und in Humanismus flüchte - dies obwohl der Begriff Humanismus im erwähnten Kurzpapier gar nicht vorkommt und wohl auch kaum in der Endfassung stehen wird. Es erstaunt mich schon, wie Personen wie Urs Altermatt schon definitive Antworten geben können, obwohl der Prozess der "C"-Diskussion gerade erst gestartet wurde.
Soll die etwa CVP weiter kränkeln?
Im Interview bestätigt Urs Altermatt aber auch, dass sich das sogenannte katholische Milieu zunehmend auflöst. Nur gibt er nicht die Antwort darauf, wie wir dieser Tatsache begegnen sollen. Fakt ist nun mal, dass die CVP und vorallem ihre Vorgängerorganisationen lange Zeit sogenannte Milieuparteien waren. Kraft Geburt wurde die Parteipräferenz weitergegeben. Diese Zeiten sind aber schon lange vorbei. Und gerade weil die CVP auf den zunehmenden Niedergang des katholischen Milieus keine adäquaten Antworten hatte, sind ihr die Wähler abhanden gekommen. Heute muss die CVP über ihre Positionierung, über ihre politischen Aussagen Wähler gewinnen. Und solange wir das C im Namen haben, müssen wir auch erklären, was das spezifisch Christliche an unserer Politik sein soll. Es nützt uns also nichts, wenn von professoraler Seite die richtige Diagnose gestellt wird, aber kein Heilmittel genannt wird. Soll sich die CVP einfach weiter kränkeln?
CVP ist keine religiöse Organisation
Im Express-Kasten des heutigen Berichtes der NLZ steht: "Die CVP ist auf der Suche nach einem "erkennbaren Profil". Gott, Bibel, Kirche kommen darin nicht mehr vor. ..."
Die Tatsache, dass dies so thematisiert wird, zeigt mehr über das Vorurteil des schreibenden Journalisten denn über die mögliche Positionierung der CVP. Offenbar erwartet man immer noch, dass eine auf christlichen Werten politisierende Partei eine Aussage zum Glauben, zur Bibel und zur Kirche machen muss. Denn wir werden als religiöse Organisation und politischer Arm kirchlicher Institutionen gesehen. Das ist selbstverständlich Quatsch. Die CVP ist aber weiterhin eine Partei von Menschen, die im Regelfall christlichen Glaubens sind und die mit entsprechender Werthaltung politische Fragen beurteilen. Da das C entgegen so mancher Meinung nicht eindeutig ist, müssen wir den Spielraum, den es gibt, selber füllen. Dazu diente einmal die Basisbefragung, dazu dient aber auch der Vernehmlassungsprozess.
Wir dürfen uns jetzt ob der öffentlichen Kritik oder der Vorurteile, die uns entgegenschlagen einfach nicht beirren lassen.
"Die "C"-Diskussion in der CVP"
Montag, 03-05-10 21:43
Sonntag, 02-05-10 22:25
Donnerstag, 29-04-10 20:27
